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Maria Anna – Die Geschichte einer Meisterleistung

„Eile, und bringe, mit Gütern befrachtet, Was Jeder sich wünschet, liebet und achtet“ Um diese Schiffahrt unter den glänzendsten Auspizien zu eröffnen, haben wir Ihre Majestät unsere allergnädigste Kaiserin gebeten, das zu gewidmete Boot nach Ihrem hohen Namen benennen zu dürfen, welche Gnade uns huldreichst bewilligt wurde, so daß es also mit der Aufschrift: „Kaiserin Maria Anna“ prangen wird.“


DER BAU

Der Bau des Schiffes wurde schon im Herbst 1836 auf der eben gegründeten gesellschaftlichen Werfte in Altofen als eine der ersten größeren Arbeit begonnen. Der Dampfer hatte eine Länge von 45 m, eine größte Breite von 6,7 m, den Tiefgang von 0,87 m und ein Deplacement von 170 Tonnen. Die Niederdruckmaschine mit 2 Zylindern leistete 60 PS. Der Kofferkessel hatte einen Ueberdruck von 1 Athm. Die Maschine stammte von Boulton & Watt in Soho und wurde in mühevollem Transport über Triest nach Budapest gebracht. Die Oberleitung des Baues hatte John Andrews, die unmittelbare Durchführung der Arbeiten oblag dem Werftchef Robert Fowles. Die Maschine wurde von L. Wilkinson und George Stamps eingesetzt. Es waren also, wie man sieht fast ausschließlich Engländer in Verwendung. „Vielleicht war Andrews als echter Sohn seines Landes überhaupt nur gewillt einem Landsmann volles Vertrauen zu schenken.


Dampfschiff Kaiser Franz

Dampfschiff Kaiser Franz
Abfahrt des Dampfschiffes Kaiser Franz vom Prater nächst Wien nach Semlin den 19. April 1831
Das k.k. privilegierte Dampfboot

Das k.k. privilegierte Dampfboot
Welches die Comunication zwischen Wien und Linz unterhält
Maria Anna nahe Franz Ferdinand Platz

Maria Anna nahe Franz Ferdinand Platz
Maria Anna in Wien


DIE JUNGFERNFAHRT

Als Kapitän wurde der Rheinländer Rau aufgenommen, die Steuerung übertrug die Verwaltung erfahrenen Schiffmeistern. Anfang August 1837 war das Schiff fertig und trat seine Fahrt von Budapest nach Wien an.

Am Vormittag des 11. September 1837 dröhnen vom Donaukanal her Salutschüsse. Die Fenster in den Häuserzeilen links und rechts des Kanales klirren, Frauen, Kinder, Geschäftsleute stürzen aus den Häusern und Gewölben und starren in die Richtung des Wassers, um zu entdecken, was die Ursache dieses Spektakels ist. Was sie sehen, ist ein Schlot, der dicke schwarze Rauchwolken in die Luft stoßend, kanalaufwärts schwimmt. Man kennt die Dampfboote schon, denn sie verkehren seit einem Jahr zwischen Wien und Preßburg, aber in den Kanal, bis unter die Tore der Stadt, fast bis unter das Portal der Stephanskirche hat sich noch keines gewagt. Und wieder dröhnen die Kanonen.

Was sich wirklich ereignet hatte, sprach sich sehr rasch herum und zwei Tage später, am 13. September stand es dann auch in der Zeitung. „Der Oesterreichische Beobachter“ berichtete:

„Das den Namen Ihrer Majestät der Kaiserin Maria Anna führende Dampfboot langte am 9. September an der Praterecke an, um seine Probefahrt nach Linz anzutreten. Ein, nach vorangegangenem niederem Wasserstande plötzliches Anschwellen des Flusses erlaubte nicht den Durchzug durch die Taborbrücke; nachdem aber von einer anderen Seite das höhere Wasser dem Dampfboote den Weg durch den Wiener Kanal zugänglich machte, so glaubte man diesen glücklichen Umstand umsomehr benützen zu dürfen, als die über diesen Donauarm führenden Brücken alle mehr Raum zur Durchfahrt gewähren als die Taborbrücke.

Am 11. September landete die „Maria Anna“ in dem Wiener Kanal und passierte ohne Hindernis unter der Ketten- und Franzensbrücke; indem es jede dieser Brücken freudig beim Durchzug mit Kanonenschüssen begrüßte, kündigte es den Einwohnern der Hauptstadt sein unvermutetes Erscheinen an jener Stelle an, welche bisher keinem Dampfschiffe noch zugänglich war.“

Die „Maria Anna“, deren Donaureise nach Linz bereits für 21. August vorgesehen war, hatte also sozusagen schon unter den Mauern der Stadt Wien „jungfräulichen Boden betreten“. Freilich, wie man aus dem Berichte des „Oesterreichischen Beobachter“ entnimmt, nicht ganz freiwillig, sondern unter dem Zwang der Wasserstandsverhältnisse, die den Kapitän des Schiffes zwangen, nach günstigeren Wasser- und Brückenverhältnissen Ausschau zu halten. Viel hatte der Kapitän auf der neuen Route nicht gewonnen, denn unter der Ferdinandsbrücke gab es kein Durchkommen mehr, der Wasserstand war auch hier zu hoch. Das Schiff mußte vor Anker gehen und günstigeren Wasserstand abwarten.

BESICHTIGUNG DURCH SEINE MAJESTÄT

Indessen, so liest man in einem gleichfalls zeitgenössischen Bericht über dieses Ereignis: „gereichte dieser Aufenthalt dem Boot zum größten Glücke, indem Ihre Majestäten, der Kaiser und die Kaiserin es am 12. September mit Ihrem hohen Besuche beehrten.“ Beide Majestäten sprachen sich höchst lobend und befriedigt über das Schiff aus. Und nun kam auch noch der Staatskanzler Fürst Metternich mit den Mitgliedern der Zentralkommission für die Donau-Dampfschiffahrts-Gesellschaft.

Mit den hohen Besuchen verging der ganze 12. September. Das Wetter war schön und das Schiffswetter für Kapitän Rau ganz besonders, denn der Wasserspiegel der Donau senkte sich und war um die Mittagszeit des 13. September so weit gefallen, daß die „Maria Anna“ die Anker lichten und die Fahrt nach Linz antreten konnte. Die Ufer waren von einer dichten Menschenmenge belagert. Hoch-, Hurrah- und Vivatrufe begleiteten das Schiff, als es stampfend und keuchend den Kanal aufwärts davonzog. Viele der Zuschauer sahen wohl zum ersten Mal ein Schiff, das mit eigener Kraft, ohne vorgespannte Pferde gegen den Strom zu schwimmen vermochte. Es war ein gewaltiges Ereignis und ein Erlebnis, das wir heute kaum nachzuempfinden vermögen.

Das Wetter, von dem in jenen Anfangstagen der Dampfschiffahrt so viel abhing, war der „Maria Anna“ zunächst günstig. Es blieb heiter und schön, der Wind war im Rücken des Schiffes. Aber nur bis 9 Uhr abends hielten diese günstigen Verhältnisse an. Als das Schiff die schützenden Berge – Leopoldsberg, Bisamberg – hinter sich hatte und das weite Tullnerfeld sich öffnete, schlug der Wind um, dann setzte Regen ein und zwei Stunden später wütete ein Sturm gegen die „Maria Anna“ der drei Tag lang dauerte und das Schiff, wenn man so sagen darf, nicht zu Atem kommen ließ. Steuerleute und Mannschaften hatten während dieser Tage auf dieser Strecke anstrengtesten Dienst zu versehen.

Die „Maria Anna“ kämpfte die ganze Nacht des 13. September, aber auch die folgenden Tage und Nächte gegen einen orkanartigen Sturm, gegen Regen und – wie es in den zeitgenössischen Berichten heißt – einen „ungewöhnlich hohen, reissenden Wasserstand“. Die Sorge des Kapitäns, ob die 60 pferdekräftige Maschine diesen Hindernissen gewachsen sein wird, dürfte nicht unbeträchtlich gewesen sein.

Ein Lichtblick für ihn und die Mannschaft war das Verhalten der Uferbevölkerung; trotz des ungestümen Wetters waren die Ufer überall mit Menschen besetzt, die das Schiff mit Böllerschüssen, Musik, Blumen und Girlanden empfingen. Aber nicht nur, daß die „Maria Anna“ nun schon zwei Tag dem Unwetter stand hielt und noch einen Tag standhalten sollte, erweckte die Begeisterung der Zeitgenossen, auch seine Inneneinrichtung konnte sich sehen lassen. Einer, der das Schiff besichtigen konnte, berichtet darüber in der „Wiener Zeitung“ vom 28. September 1837:

„Die genaue und sorgfältige Besichtigung der Maschine, des Takelwerkes und der inneren Räume, die wir während eines zweistündigen Aufenthaltes an Bord vornehmen konnten, überzeugten uns von der hohen Zweckmäßigkeit, Bequemlichkeit und Eleganz, welche in allen Teilen des Schiffes unverkennbar hervortreten. In einem Raume von 145 Fuß Länge und 23 Fuß Breite findet sich alles, was zwei bis dreihundert Reisende von den bescheidensten Bedürfnissen bis zu den raffiniertesten Gewohnheiten in Anspruch nehmen können. Die erste Kajüte und das Damenzimmer sind im edelsten Geschmack gehalten und mit der reichsten Dekorierung ausgestattet. Ueberhaupt zeigt die ganz innere Einrichtung jenen echten britischen Komfort, welcher Zweckmäßigkeit mit Anmut auf das Ueberraschendste zu vereinen weiß und wodurch die Dampfschiffe neben ihrer hohen kommerziellen und industriellen Bedeutung noch als Gegenstände des Luxus und des verfeinerten Lebensgenusses erscheinen. Läßt sich wohl etwas Reizenderes denken, als in diesem schwimmenden Palaste umgeben von fröhlicher Geselligkeit, reichlich versehen mit allen Bequemlichkeiten, ohne die geringsten Beschwerden, wodurch uns das Reisen sonst verleidet wird, mit Windeseile die herrlichen Donau-Ufer an sich vorbeirollen zu lassen?“.

ANKUNFT IN LINZ

Einstweilen dampfte dieser „schwimmende Palast“ unter den widrigsten Umständen und ohne Passagiere, die ihn hätten bewundern können, gegen Linz. Niemand konnte sagen, wann es ankommen wird. Kein Telegramm, keine Post konnte die Linzer von der bevorstehenden Landung verständigen. Dennoch waren, als die „Maria Anna“ am Morgen des 17. September am rechten Donauufer in Linz anlegte, viele hundert Zuschauer am Landungsplatz. Diejenigen, die nicht da waren, wurden wieder durch Kanonendonner von dem außerordentlichen Ereignis unterrichtet. Der Eindruck des Schiffes auf die Bevölkerung war ein überwältigender.

„Als sich das Schiff“, berichtet ein Zeitgenosse, „in majestätischem Laufe dem Landungsplatze näherte, machte dieses ungewöhnliche Schauspiel auf die am Ufer und auf der Brücke befindliche Menge einen wahrhaft erhebenden unbeschreiblichen Eindruck. Und in der Tat dürfte der Moment, wo das Dampfschiff, dieser Komplex der großartigsten und sinnreichsten Erfindungen unseres vorgerückten Jahrhunderts, zum ersten Male in dem Weichbilde unserer Stadt (Linz) erschien, zu den erfreulichsten und segenreichsten Ereignissen gehören und in den Annalen der Stadt unvergeßlich bleiben…“

Der 17. September 1837 war ein Sonntag. Den ganzen Tag war das Schiff Gegenstand des Staunens und der Bewunderung. Nicht nur die Linzer kamen, die ganze Umgebung war auf den Beinen, das Weltwunder des Dampfschiffes zu betrachten. Die Honoratioren der Stadt wurden von Kapitän Rau durch das Schiff geführt. Der Erzherzog Palatin, der sich auf der Durchreise in Linz aufhielt, versäumt nicht, das Schiff zu besichtigen. Am Montag, den 18. September, nachdem die Maschinen überholt und Brennstoff eingenommen worden war, machte die „Maria Anna“ von Linz aus eine zweieinhalbstündige „Lustreise“ mit Passagieren. Fürst Schwarzenberg schickte seine Musikkapelle an Bord und dieser Montag wurde ein richtig „blauer Montag“ für die Linzer. Erst Dienstag, den 19. September um 7 Uhr Früh fuhr das Schiff wieder ab. Diesmal führte es Passagiere an Bord. Freilich konnte es nicht alle, die die Reise in die Hauptstadt mitmachen wollten, aufnehmen.

Bei der Talfahrt richtete sich aller Augenmerk auf die Durchfahrt durch den Greiner Strudel. Bei der Annäherung an die gefürchtete Stelle, so berichtet ein Fahrtteilnehmer, trat allgemeine Stille am Verdeck ein. Als man den Strudel hinter sich hatte, löste sich die Beklemmung, die ziemlich groß gewesen sein muß, denn nun, heißt es in dem Bericht weiter: „begrüßten die Reisenden und die am Ufer harrende Bevölkerung den Kapitän freundlich und jubelnd, da die Sicherheit und Ruhe, mit der das Boot durch den Strudel geeilt war, auch die kleinste Besorgnis schwinden ließ.“ Nach angstvollen Minuten war dieser Jubel ein sichtbares und lautes Aufatmen.

Die Rückfahrt gestaltete sich durchaus günstig; nach neuneinhalbstündiger Fahrt – die Bergfahrt hatte 55 Stunden und 22 Minuten gedauert – landete die „Maria Anna“ in Nußdorf bei Wien.

DER BANN WAR GEBROCHEN

Die „Wiener Zeitung“ kündigt in den nächsten Tagen einige „Lustfahrten“ der „Maria Anna“ in der „Mölker Gegend“ an. Die Melker Chronik berichtet, daß die Reise gut ausgefallen sei und daß die Bewohnerschaft den Dampfer mit großem Interesse besichtigt habe.

Die Erfahrungen der Probefahrt machten eine Verstärkung der Maschine nötig, sie erhielt zwei neue Zylinder und leistete nun 76 Pferdekräfte, die Geschwindigkeit wurde dadurch um ein Drittel gesteigert.

Es spricht für die Bedeutung, die die Donaudampfschiffahrt in den sieben Jahren ihres Bestehens gewonnen hatte, daß die Eröffnung des Betriebes der österreichischen Stromstrecke in der Oeffentlichkeit, vor allem in der in- und ausländischen Presse viel mehr Beachtung fand, als die Tatsache ihrer Gründung und der ersten Fahrten. Während noch um 1835 erschienene geographisch-statistische Werke von dem Bestehen einer Dampfschiffahrt auf der Donau kaum Notiz nehmen, wird es jetzt ander.

Allenthalben begegnen wir stärkstem Interesse und der Altmeister der Verkehrswissenschaft Friedrich List widmet der Donauschiffahrt in seinem Aufsatz über die Eisenbahnen in Rotteck und Welckers Staatslexikon begeisterte Worte. Auch in seinem umfassenden Plan zur Mobilisierung der Wirtschaft Ungarns betont er die Wichtigkeit der Donauschiffahrt.